Zum Tod von Kurt Albert (28.1.1954–28.9.2010)

« Warum muss das ausgerechnet mir passieren ?», sei sein häufigster Satz gewesen, sagte ein Freund über Kurt Albert. Nun ist es ihm erneut passiert. Er ist abgestürzt an einem für ihn banalen Klettersteig, ungesichert offenbar. Konsterniert und traurig nimmt die alpine Welt zur Kenntnis, dass einer der profiliertesten Kletterer und Alpinisten Deutschlands auf so unbegreifliche Weise ums Leben gekommen ist. Ironie des Schicksals: Der Klettersteig im Hirschbachtal im Frankenjura, von dem Kurt Albert als Führer einer Gruppe am Sonntag, dem 26. September 2010, aus 18 Metern auf den Boden stürzte, heisst « Höhenglücksteig ». Zwei Tage später starb der 56-Jährige im Krankenhaus in Erlangen. Warum muss das ausgerechnet ihm passieren? Es wird nie eine Antwort geben, ausser vielleicht der: schon viele grosse Bergsteiger vor ihm sind in einem Augenblick der Unachtsamkeit, der Übermüdung oder durch unglücklichen Zufall zu Tode gekommen. Der in Nürnberg geborene Kurt Albert studierte Mathematik und Physik und war einige Jahre als Mathematiklehrer tätig. Schon mit 17 Jahren kletterte er den Walkerpfeiler an den Grandes Jorasses und ein Jahr später die Eiger-Nordwand. Es war die hohe Zeit des technischen Kletterns, der Superdirettissima-Hakenleitern. Nach einem Besuch im Elbsandstein, wo das Freiklettern Tradition hat, erkannte er, dass man im Klettersport neue Wege gehen musste. Er versuchte, im Frankenjura technische Routen frei zu klettern, und wenn es ihm gelungen ist, markierte er den Einstieg mit einem roten Punkt. « Rotpunkt » war schon bald ein Wort, das die Kletterszene elektrisierte, stand es doch für eine ganz neue Art, sich im Fels fortzubewegen. Haken und anderes Material sollten nur der Sicherung dienen, nicht als Griff oder Tritt. Rotpunkt steht für eine neue Ehtik, eine neue Ära des Klettersports. Und Rotpunkt steht für einen Namen: Kurt Albert. Im neuen Stil erschloss er einige der schwierigsten Extremklassiker Deutschlands, begann auch im Gebirge frei zu klettern. So schaffte er etwa 1987 die Direttissima an der Grossen Zinne « rotpunkt ». Ein Jahr später kletterte er am Nameless Tower im Karakorum eine Route frei, dann folgten Expe- ditionen zu Bigwalls in Patagonien, Grönland, Madagaskar und Venezuela. Die meist abgelegenen Gebiete erreichte er möglichst aus eigener Kraft – auch mal im Kajak und ohne Träger. 1985 erhielt Kurt Albert zusammen mit seinem ebenfalls tragisch verunglückten Kletterpartner Wolfgang Güllich und Sepp Gschwendtner das « Silberne Lorbeerblatt », die höchste Sportauszeichnung Deutschlands. Und 2008 in St. Moritz den King Albert Mountain Award. Trotz seinen Erfolgen und seinem weltweiten Renommee blieb er ein warmherziger und humorvoller Mensch, ein « Globetrotter in Sachen Klettern », nennt ihn ein Freund. Er lebte bescheiden von Sponsoren und Vorträgen, publizierte Erlebnisberichte und das Buch « Fight Gravity, Klettern im Frankenjura ». Nun hat er seinen letzten Kampf gegen die Schwerkraft verloren.

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