Überarbeitung der Wildschutzgebiete im Kanton Bern | Schweizer Alpen-Club SAC

Überarbeitung der Wildschutzgebiete im Kanton Bern Der SAC lehnt die grossflächigen Zugangsbeschränkungen ab

Der Kanton Bern möchte in seinen bisher nur jagdlich relevanten Wildschutzgebieten auf grossen Flächen neue Zugangsbeschränkungen erlassen. Die vorgeschlagenen Routengebote im Winter und Weggebote im Sommer wären für den Bergsport sehr einschneidend. Der SAC fordert gezieltere und kleinräumige Massnahmen.

Das Jagdinspektorat überprüft die kantonalen Wildschutzgebiete in drei Tranchen. Neben einer gezielteren Lenkung der Jagd sollen die Wildlebensräume beruhigt und gute Wildbestände erhalten werden. Insbesondere ist ein stärkerer Schutz für Setzgebiete von Gämsen und Lebensräume von Raufusshühnern vorgesehen, und zukünftig möglichen Störungen soll vorgebeugt werden. In die Mitwirkung wurden tangierte Gemeinden und ausgewählte Verbände eingeladen. Die betroffene Bevölkerung konnte in der gesetzten Frist nicht einbezogen und konsultiert werden.

Es ist eine Tatsache, dass auch Bergsportaktivitäten zugenommen haben. Dies ist grundsätzlich erfreulich, denn Naturerlebnisse stärken die Bereitschaft, Natur und Umwelt zu schützen. Wichtig ist, dass Bergsport mit Rücksicht auf wertvolle und sensible Lebensräume ausgeübt wird. Der SAC fördert naturverträglichen Bergsport mittels Ausbildung und Kampagnen.

Das Jagdinspektorat schlägt neue Weg- und Routengebote im Winter und Sommer über ganze Bergketten vor. Betroffen ist beispielsweise das gesamte Lonermassiv, der Niesen, das Stockhorn, die Nordseite des Niedersimmentals, das Kandertal, das Suldtal und der Hohgant. Die Massnahmen würden den Bergsport sommers wie winters stark einschränken.

Grossflächige Einschränkungen können sich negativ auf Wildschutz auwirken
Alpine Sommertouren finden typischerweise in weglosem alpinen Gelände statt, sind in der Regel aber keine relevante Störungsquelle für Wildtiere. Mit den vorgesehen Regelungen müssten solche weglosen Routen allesamt auf einer offiziellen Karte publiziert werden, damit man sie weiterhin begehen kann.

Die grossflächigen Routengebote können sich kontraproduktiv auf den Schutz der Natur und die Wildtiere auswirken, weil neu jede Route publiziert werden müsste. Eine breite Publikation von nur lokal bekannten Routen hat aber zur Folge, dass künftig mehr Menschen an Orten unterwegs sind, die heute nicht so oft besucht werden. Kleinräumige, zweckmässige und nachvollziehbar begründete Schutzmassnahmen finden zudem breitere Akzeptanz.

Der SAC hat heute eine Stellungnahme eingereicht und fordert insbesondere:

  • Kleinräumige statt grossflächige Zugangsbeschränkungen.
  • Eine gute Lösung für weglose alpine Sommerrouten.
  • Fokus auf den Schutz gefährdeter Arten wie z.B. das Auerhuhn.
  • Keine präventiven Verbote, wo kaum Leute unterwegs sind und es keine Probleme gibt.
  • Kein generelles Biwakverbot in den Bergen.

Gut zu wissen

Das Vorhaben steht im Zusammenhang mit dem indirekten Gegenvorschlag des Bundesrates zur Biodiversitätsinitiative. Dieser sieht vor, dass 17% der Landesfläche als Biodiversitätsschutzgebiete ausgewiesen werden. Um dies zu erreichen, sollen künftig auch kantonale Jagdbanngebiete/Wildschutzgebiete angerechnet werden können, sofern die Regelungen über die Jagd hinausgehen. Der SAC lehnt dies ab, weil diese abgelegenen Gebiete grundsätzlich eine intakte Natur aufweisen und die Biodiversität dort gefördert werden muss, wo sie effektiv gefährdet ist. Vielerorts sind zudem die Wilddichten so hoch, dass langfristig die Waldverjüngung gefährdet ist. Hier sind neue Schutzgebiete für das Schalenwild keine geeignete Lösung – im Gegenteil. Der SAC beobachtet die Entwicklung des Bergsports und der Wildtiere aber aufmerksam und bietet selbstverständlich Hand, bei neuen Konflikten zielgerichtete und effiziente Lösungen zu finden.

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